Wie kann der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Landkreis so umgesetzt werden, dass Kinder bestmöglich gefördert, Familien verlässlich unterstützt und Schulen nicht überfordert werden? Diese Frage lockte rund 45 Interessierte – darunter auffallend viele Schulleiterinnen und Schulleiter – ins Nachbarschaftszentrum im Waldtal. Eingeladen waren alle, die im schulischen Umfeld arbeiten, ebenso Eltern und Interessierte. Auch Thilo Hartmann, Vorsitzender der GEW Hessen, war der Einladung gefolgt. Begrüßt wurden die Gäste von Marylin Prange und Dagmar Siegel vom GEW-Kreisverband, durch den Abend führte Sigrid John-Flöter, ebenfalls Mitglied im Kreisverband.
Auf dem Podium versammelten sich Stimmen aus der Praxis, Elternschaft und Gewerkschaft: die stellvertretende Vorsitzende der GEW Hessen, Heike Ackermann, der Elternbeiratsvorsitzende Thomas Biegler, die Schulleiterin der Grundschule Niederklein, Bianca Höck, sowie die Schulleiterin der Regenbogenschule Leidenhofen, Bente Weber. Auch der Schulleiter der Grundschule Kirchhain Mario Michel sowie Sandra Spenner, Sozialpädagogin an der GI Stadtallendorf und nicht zuletzt die Fachberaterin für den Ganztag am Staatlichen Schulamt Marburg, Natalie Bergmann, nahmen auf dem Podium Platz.
Große Einigkeit über das Ziel: Chancengerechtigkeit für alle Kinder
Bereits zu Beginn wurde klar: trotz unterschiedlicher Blickwinkel einte alle Anwesenden das Wohl der Kinder und der Wunsch nach mehr Bildungsgerechtigkeit. Dies fasste der Schulleiter der Grundschule Kirchhain eindrucksvoll zusammen: „In der Grundschule findet man die größten Idealisten.“ Ein Satz, der im Saal spürbar nachhallte. Doch gleichzeitig wurde ebenso deutlich, wie fehlende Ressourcen, enge gesetzliche Vorgaben und bürokratische Hürden vielerorts die Motivation und Kreativität der Schulen einengen und ausbremsen. An konkreten Beispielen mangelte es nicht: eine Schulleiterin im Publikum stellte dar, wie ihre Visionen zum Thema Ganztag nach und nach am Formalismus scheiterten, wie z.B. eine Fußball-AG, die trotz vorhandener Honorarkraft nicht stattfinden kann, weil der Platz außerhalb des Schulgeländes liegt und die Aufsicht rechtlich nicht geklärt ist oder eine Wald-AG, die an der Genehmigung des Försters scheiterte.
In der Diskussion wurde deutlich, dass erschwerend für die Umsetzung eines guten Ganztages auch
- unklare oder nicht ausreichende Budgets für Honorarkräfte,
- fehlende Transparenz über zur Verfügung stehende Mittel,
- und unklare Rollen der Betreuungskräfte (da in der Zusammenarbeit Schule Betreuung oft nicht klar genug definiert sei, was die entsprechenden Personen dürfen – und was nicht) sind.
Nach der Podiumsdiskussion hatten sowohl die Podiumsteilnehmenden als auch das Publikum Gelegenheit, Fragen zu stellen. Viele hätten diese gern an eine Vertreterin oder einen Vertreter des Fachbereichs Schule des Landkreises gerichtet, aber die Leitung des Fachbereichs hatte im Vorfeld angekündigt, aus arbeitspolitischen Gründen kein Personal zu dieser GEW-Veranstaltung zu entsenden. Die Abwesenheit des Landkreises wurde vom Publikum mehrfach kritisiert. So sprang Natalie Bergmann in die Lücke und fungierte als Bindeglied zwischen Schulamt und Landkreis und versuchte, alle aufkommenden Fragen fachkundig zu beantworten.
Das Fazit also: Große Motivation – aber der Weg ist steinig
Dagmar Siegel, Sigrid John-Flöter, Marylin Prange